Vielleicht fehlt dir gar nichts
Ich habe eine gewisse Schwäche für Dinge, die versprechen, dass danach alles ein bisschen übersichtlicher wird. Gute Notizbücher gehören dazu, neue Apps auch, Modelle sowieso, und wenn irgendwo jemand glaubwürdig erklärt, dass man mit genau dieser einen Methode endlich Ordnung in etwas bringen kann, das sich bisher hartnäckig geweigert hat, ordentlich zu werden, dann bin ich zumindest nicht völlig immun dagegen.
Ich habe eine gewisse Schwäche für Dinge, die versprechen, dass danach alles ein bisschen übersichtlicher wird. Gute Notizbücher gehören dazu, neue Apps auch, Modelle sowieso, und wenn irgendwo jemand glaubwürdig erklärt, dass man mit genau dieser einen Methode endlich Ordnung in etwas bringen kann, das sich bisher hartnäckig geweigert hat, ordentlich zu werden, dann bin ich zumindest nicht völlig immun dagegen. Ich würde sogar sagen, ich bin beruflich ziemlich erfolgreich damit gewesen, aus komplizierten Dingen Modelle zu bauen, und wahrscheinlich wird sich daran auch nichts ändern, weil ich das tatsächlich mag. Ich mag es, wenn etwas, das vorher diffus war, plötzlich Kontur bekommt, wenn man einen Zusammenhang erkennt, wenn aus einem Gefühl eine Sprache wird und man auf einmal sagen kann: Ah, das ist also das, was hier passiert. Das Problem beginnt für mich erst dort, wo aus einem hilfreichen Werkzeug still und leise die Idee wird, dass uns bisher vor allem deshalb etwas nicht gelungen ist, weil uns genau dieses Werkzeug gefehlt hat.
Ich glaube, wir sind an diese Logik ziemlich gewöhnt. Wenn etwas nicht funktioniert, suchen wir nach dem, was fehlt. Mehr Wissen, mehr Disziplin, die bessere Morgenroutine, die richtige Ernährung, eine andere Gesprächstechnik, das passende Zeitmanagementsystem, ein neues Seminar, ein neues Buch, vielleicht einfach endlich die App, die unsere Aufgaben so sortiert, dass wir anschließend selbstverständlich ein ausgeglichenes Leben führen. Ich übertreibe ein bisschen. Aber nur ein bisschen. Und das Merkwürdige ist ja, dass viele dieser Dinge tatsächlich nützlich sein können. Ich habe nichts gegen gute Bücher, was vermutlich auch eine etwas ungünstige Position wäre, wenn man selbst welche schreibt, und ich habe auch nichts gegen Methoden, Übungen oder neue Perspektiven. Im Gegenteil. Manche Dinge verändern sich erst, weil wir überhaupt einen Begriff dafür bekommen, manche Fähigkeiten müssen gelernt werden, manches Wissen fehlt tatsächlich, und manchmal ist die Antwort wirklich erstaunlich banal: Du kannst etwas noch nicht, also musst du es lernen. Fertig. Ich glaube nur, dass wir diese Erklärung inzwischen auf sehr viele Situationen anwenden, in denen sie vielleicht gar nicht passt.
Vielleicht fällt mir das deshalb auf, weil ich in den letzten Jahren immer wieder Menschen erlebt habe, die unglaublich viel wussten. Menschen, die Bücher gelesen hatten, Seminare besucht, Podcasts gehört, reflektiert, an sich gearbeitet, Zusammenhänge verstanden und ihre eigenen Muster so präzise beschreiben konnten, dass ich mich manchmal gefragt habe, was ich ihnen jetzt eigentlich noch erzählen soll. Und trotzdem saßen sie da und sagten sinngemäß: Ich kriege es einfach nicht hin. Ich weiß, dass ich Grenzen setzen müsste, aber ich tue es nicht. Ich weiß, dass ich Pausen brauche, aber ich mache keine. Ich weiß, dass ich mich nicht ständig rechtfertigen müsste, aber sobald jemand kritisch schaut, fange ich schon an zu erklären. Ich weiß, dass dieser Job mich kaputtmacht, aber ich bleibe. Ich weiß, dass ich mich nicht immer kleiner machen muss, aber in bestimmten Räumen werde ich trotzdem kleiner. Und häufig kommt dann relativ schnell die nächste Frage: Was kann ich denn noch machen?
Noch.
Dieses Wort finde ich inzwischen ziemlich interessant.
Was kann ich noch lesen, noch lernen, noch üben, noch optimieren, noch verstehen? Welche Technik fehlt mir noch, welches Muster habe ich noch nicht erkannt, welche innere Arbeit noch nicht erledigt? Und während ich das schreibe, merke ich, dass ich schon fast wieder in diese Richtung abrutsche, in der man die gesamte Selbstoptimierungswelt ein bisschen überheblich belächelt, was ich eigentlich gar nicht möchte. Denn natürlich suche ich selbst nach Antworten. Ich entwickle Modelle, schreibe über Entwicklung, denke über Bedingungen nach, unter denen Veränderung leichter oder überhaupt möglich wird. Ich würde mich also ziemlich lächerlich machen, wenn ich jetzt so tun würde, als hätten alle anderen das Problem erfunden. Ich sitze mitten drin. Vielleicht fällt es mir gerade deshalb auf.
Ich frage mich nämlich immer häufiger, ob wir manchmal etwas reparieren wollen, das gar nicht kaputt ist. Oder anders gesagt, und ich merke gerade, dass mir diese Formulierung besser gefällt: ob wir uns selbst zum Problem erklären, obwohl das Problem möglicherweise in der Passung liegt. Jemand arbeitet in einer Umgebung, in der permanent Erreichbarkeit erwartet wird, und versucht dann, seine „Abgrenzungsfähigkeit“ zu verbessern. Jemand lebt seit Jahren mit einer Aufgabenmenge, die objektiv kaum zu schaffen ist, und sucht nach dem perfekten Zeitmanagement. Jemand ist in einer Beziehung, in der jede Grenze als Zurückweisung behandelt wird, und fragt sich, warum er mit Grenzen so ein Problem hat. Jemand arbeitet in einem Team, in dem Fehler abgestraft werden, und besucht ein Seminar über mutige Kommunikation. Das kann alles sinnvoll sein. Wirklich. Aber vielleicht wird es irgendwann absurd, wenn wir ausschließlich den Menschen trainieren und die Bedingungen unangetastet lassen, unter denen das Verhalten überhaupt entstanden ist oder weiterhin sinnvoll bleibt.
Vielleicht fehlt dir dann nicht die Fähigkeit, Nein zu sagen. Vielleicht hast du ziemlich gut gelernt, was in deinem Umfeld passiert, wenn du es tust.
Das ist ein Unterschied.
Und gleichzeitig wäre es wieder zu bequem, jetzt alles auf die Umgebung zu schieben. Denn natürlich gibt es Menschen, die unter denselben Bedingungen unterschiedlich reagieren, natürlich tragen wir unsere Geschichte mit hinein, natürlich gibt es alte Muster, Ängste, Gewohnheiten, Überzeugungen und all die anderen Dinge, die nicht einfach verschwinden, nur weil wir den Arbeitsplatz wechseln oder eine Beziehung beenden. Ich merke, wie ich innerlich sofort versuche, den Gedanken sauber auszubalancieren, damit bloß niemand denkt, ich würde behaupten, der Mensch müsse sich nie verändern. Das behaupte ich nicht. Aber vielleicht sagt allein dieser Reflex schon etwas darüber, wie selbstverständlich es geworden ist, Entwicklung zuerst beim Einzelnen zu suchen.
Was fehlt dir?
Die Frage klingt zunächst hilfreich. Sie öffnet Möglichkeiten. Vielleicht fehlt wirklich etwas. Wissen, Erfahrung, Mut, Unterstützung, Schlaf, Geld, Zeit, ein Gespräch, ein konkreter nächster Schritt. Aber sie enthält eben auch schon eine Annahme: Da ist eine Lücke in dir oder deinem Handeln, und wenn wir diese Lücke identifizieren und schließen, dann wird es besser. Ich frage mich, wie häufig wir dieselbe Situation anders verstehen würden, wenn wir stattdessen fragen würden: Was ist eigentlich schon da, das gerade nicht zur Wirkung kommen kann?
Ich mag diese Frage, weil sie weniger spektakulär ist.
Sie verspricht kein neues Ich.
Und vielleicht ist genau das der Grund, warum sie sich schlechter verkauft.
Es ist natürlich viel aufregender zu hören, dass irgendwo noch eine unbekannte Methode existiert, die uns endlich zu der Version unserer selbst macht, die morgens um fünf aufsteht, meditiert, Sport macht, ihren Tag fokussiert plant, liebevolle Grenzen setzt, drei Liter Wasser trinkt, emotional verfügbar bleibt, finanziell unabhängig wird und trotzdem spätestens um 21.30 Uhr entspannt ein Buch liest. Vermutlich bei warmem Licht. Ich weiß nicht, wann diese Person ihre Küche aufräumt, aber vielleicht hat sie dafür ebenfalls ein System.
Der Gedanke, dass vielleicht schon ziemlich viel da ist, hat weniger Glanz. Aber er verändert etwas. Wenn jemand sagen kann, was ihm guttut, aber nie Zeit dafür hat, dann fehlt vielleicht nicht noch eine Erkenntnis über Selbstfürsorge. Wenn jemand sehr genau wahrnimmt, wann etwas zu viel wird, aber gelernt hat, diese Wahrnehmung regelmäßig zu übergehen, dann fehlt vielleicht nicht die Sensibilität für die eigene Grenze. Die ist offenbar sogar ziemlich gut. Wenn jemand in ruhigen Gesprächen hervorragend kommunizieren kann und in bestimmten Konflikten völlig dichtmacht, dann fehlt ihm vielleicht nicht grundsätzlich Kommunikationskompetenz. Vielleicht passiert unter bestimmten Bedingungen etwas, das den Zugriff darauf erschwert. Und schon bin ich wieder ziemlich nah an dem Gedanken von neulich, dass Wissen und Verfügbarkeit zwei verschiedene Dinge sein könnten. Offenbar lassen sich diese Gedanken nicht besonders gut voneinander trennen. Vielleicht müssen sie das auch nicht.
Ich denke gerade an Menschen, die sagen: „Ich müsste einfach konsequenter sein.“ Das ist so ein Satz, bei dem ich inzwischen innerlich ein bisschen vorsichtig werde. Nicht, weil Konsequenz unwichtig wäre, sondern weil er oft erstaunlich viel verdeckt. Was genau soll denn konsequenter werden? Und gegen was? Wenn ich mir jeden Abend vornehme, nach der Arbeit noch Sport zu machen, aber mein Arbeitstag regelmäßig so voll ist, dass ich gegen 19 Uhr kaum noch geradeaus denken kann, dann kann ich daraus ein Disziplinproblem machen. Ich kann mir einen Trainingsplan kaufen, einen Habit-Tracker laden, meine Sportsachen morgens sichtbar an die Tür stellen und mich mit irgendeinem schlauen Belohnungssystem austricksen. Vielleicht hilft das sogar. Oder ich könnte irgendwann die unromantische Frage stellen, warum mein Alltag so gebaut ist, dass etwas, das mir wichtig ist, nur noch funktioniert, wenn ich mich selbst überliste.
Das ist unangenehmer.
Denn dann reicht manchmal kein Tool.
Dann müsste sich etwas im Leben verändern.
Und vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum wir so gerne bei Methoden bleiben. Methoden sind erstaunlich höflich. Sie verlangen häufig, dass wir etwas tun, aber sie stellen nicht unbedingt infrage, wie unser Leben gebaut ist. Ein neues Zeitmanagementsystem kann ich einführen, ohne meinen Kalender grundsätzlich zu verändern. Eine Atemübung kann ich morgens fünf Minuten machen, ohne zu fragen, warum ich den Rest des Tages permanent unter Strom stehe. Ich kann lernen, in Konflikten ruhiger zu sprechen, ohne zu prüfen, ob ich seit Jahren in einer Konstellation lebe, in der ich überhaupt nicht gehört werde. Ich kann meine Resilienz stärken und trotzdem in einem System bleiben, das kontinuierlich mehr von mir verlangt, als langfristig gesund ist.
Und noch einmal: Das heißt nicht, dass die Atemübung schlecht ist. Ich mag Atemübungen. Ich kenne viele. Manche sind wirklich gut. Ich finde nur, es wäre schade, wenn wir am Ende hervorragend reguliert darin werden, Dinge auszuhalten, die vielleicht gar nicht dauerhaft ausgehalten werden sollten.
Jetzt merke ich, dass der Text gerade kämpferischer wird, als ich ihn eigentlich gedacht hatte. Vielleicht weil mich der Punkt tatsächlich ärgert. Nicht Methoden. Diese fast automatische Bewegung, mit der wir Schwierigkeiten in Entwicklungsaufgaben übersetzen. Du bist erschöpft? Dann musst du besser für dich sorgen. Du bist überfordert? Lerne Prioritäten zu setzen. Du bist unzufrieden? Arbeite an deiner Haltung. Du gerätst in Konflikte? Verbessere deine Kommunikation. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht ist die Erschöpfung eine ziemlich vernünftige Reaktion auf zu viel. Vielleicht ist die Überforderung kein Organisationsproblem, sondern Mathematik. Vielleicht ist die Unzufriedenheit nicht mangelnde Dankbarkeit, sondern Information. Vielleicht kommunizierst du längst gut und wirst trotzdem nicht gehört.
Und gleichzeitig gibt es natürlich den anderen Irrtum. Dass wir glauben, die Welt müsse sich nur ändern und dann wären wir frei. Auch das funktioniert nicht zuverlässig. Man kann den Job wechseln und dieselbe Überforderung mitnehmen, die Beziehung wechseln und dieselbe Angst vor Konflikten, den Kalender leeren und trotzdem nicht zur Ruhe kommen. Ich kenne das ziemlich gut. Äußere Bedingungen verändern viel, aber sie nehmen uns nicht automatisch mit. Vielleicht ist das Ganze deshalb komplizierter, als die einfache Frage „Liegt es an mir oder an den Umständen?“ vermuten lässt. Wahrscheinlich liegt es oft in der Beziehung zwischen beidem. In dem Raum, der entsteht, wenn ein bestimmter Mensch mit seiner Geschichte, seinen Fähigkeiten, seinen Grenzen und seinem Nervensystem auf ganz konkrete Bedingungen trifft.
Und vielleicht wäre Entwicklung dann weniger die Aufgabe, ständig etwas Neues hinzuzufügen, sondern häufiger die Frage, was miteinander wieder besser zusammenpassen müsste.
Das klingt gerade ziemlich theoretisch. Ich versuche es einfacher.
Vielleicht weißt du längst, dass du Ruhe brauchst.
Vielleicht ist dein Leben nur so voll, dass Ruhe permanent gegen etwas anderes verliert.
Vielleicht kannst du Grenzen spüren.
Vielleicht hast du nur nie gelernt, dass sie Beziehungen überleben dürfen.
Vielleicht bist du nicht orientierungslos.
Vielleicht hörst du nur fünf Stimmen gleichzeitig und deine eigene ist die leiseste geworden.
Vielleicht fehlt dir nicht noch mehr Motivation.
Vielleicht bist du einfach müde.
Und vielleicht, das ist der Gedanke, bei dem ich selbst gerade ein bisschen hängenbleibe, ist manches von dem, was wir so dringend verändern wollen, überhaupt kein Defizit, sondern eine Reaktion. Eine sinnvolle, vielleicht irgendwann unpassend gewordene, aber trotzdem nachvollziehbare Antwort auf Bedingungen, Erfahrungen und Situationen.
Wenn das so ist, wäre die Frage „Wie werde ich das los?“ manchmal wahrscheinlich zu früh.
Vielleicht müsste davor stehen: Wozu war das einmal gut?
Oder: Unter welchen Bedingungen passiert es?
Oder sogar: Was müsste sich verändern, damit ich es nicht mehr brauche?
Ich weiß nicht, ob mir diese letzte Frage nicht fast am besten gefällt. Weil sie den Menschen nicht aus der Verantwortung entlässt, aber ihn auch nicht automatisch zum Fehler erklärt. Sie sagt nicht: Du bist eben so. Aber sie sagt auch nicht: Du musst dich nur ausreichend optimieren. Sie lässt die Möglichkeit offen, dass Entwicklung manchmal darin besteht, etwas zu lernen, manchmal darin, etwas zu verlernen, manchmal darin, Bedingungen zu verändern und manchmal vielleicht einfach darin, etwas, das längst da ist, endlich ernst zu nehmen.
Ich habe keine Ahnung, wie viele Bücher, Seminare, Übungen und Methoden ich in meinem Leben schon kennengelernt habe. Vermutlich genug, um für die meisten Lebenslagen irgendeinen hübschen Namen parat zu haben. Und trotzdem sind die entscheidenden Veränderungen bei mir erstaunlich selten dadurch entstanden, dass mir noch jemand ein weiteres Werkzeug gegeben hat. Häufiger war irgendwann etwas nicht mehr zu übersehen. Dass ein bestimmter Weg nicht mehr passt. Dass ich etwas zwar kann, aber nicht mehr will. Dass ich längst weiß, was mir guttut, es aber in meinem eigenen Leben kaum vorkommt. Dass die Antwort nicht darin liegt, mich noch effizienter an Bedingungen anzupassen, die ich eigentlich gar nicht mehr möchte.
Vielleicht beschäftigt mich dieser Gedanke deshalb gerade so sehr.
Weil „Was fehlt noch?“ eine Frage ist, mit der man sehr lange beschäftigt bleiben kann.
Es gibt immer noch etwas.
Noch ein Buch, noch eine Erkenntnis, noch eine Qualifikation, noch eine Methode, noch einen blinden Fleck, noch einen Podcast, wobei ich als jemand mit eigenem Podcast an dieser Stelle natürlich vorsichtig sein sollte. Aber vielleicht ist Entwicklung manchmal gar keine Schatzsuche nach dem letzten fehlenden Teil.
Vielleicht liegt vieles längst auf dem Tisch.
Und die eigentliche Frage ist unangenehmer.
Warum leben wir nicht danach?
Nicht im Sinne eines Vorwurfs. Eher ganz praktisch. Welche Bedingungen verhindern es? Was gewinnt regelmäßig gegen das, was wir längst wissen? Wo bauen wir unser Leben so, dass wir anschließend Methoden brauchen, um darin zurechtzukommen? Was davon ist unvermeidbar, was ist veränderbar und was erzählen wir uns vielleicht nur schon so lange, dass es sich unvermeidbar anfühlt?
Ich merke, dass ich gerade wieder nach einem Ende suche, und vielleicht gibt es diesmal auch keins, zumindest keines, das besonders ordentlich wäre. Ich will Tools nicht abschaffen. Ich werde vermutlich morgen wieder irgendein Modell zeichnen und mich darüber freuen, dass plötzlich etwas klarer aussieht. Wahrscheinlich werde ich auch weiterhin Bücher lesen, Dinge ausprobieren und mich von neuen Gedanken begeistern lassen. Ich glaube nur, dass ich vorsichtiger werden möchte mit der Annahme, dass Schwierigkeiten automatisch beweisen, dass noch etwas fehlt.
Vielleicht fehlt dir etwas.
Das ist möglich.
Aber vielleicht fehlt dir gar nichts.
Vielleicht ist längst genug da, und etwas davon bekommt nur zu wenig Raum, zu wenig Zeit, zu wenig Sicherheit oder schlicht zu wenig Bedeutung, um in deinem Leben wirklich aufzutauchen.
Und bevor ich also das nächste Mal frage, was ich noch lernen, üben oder verbessern müsste, will ich zumindest für einen Moment eine andere Frage danebenlegen:
Was davon ist eigentlich längst da?
Und dann vielleicht nicht sofort weitergehen.
Denn möglicherweise ist die Antwort darauf unbequemer als jedes neue Tool.
